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Es ist in uns

Es ist zwischen uns.
Es ist in uns.

 

Übersetzte Bücher, die ich lese, Autor:innen, die mir nah werden, — die Beziehung, die sich zwischen mir und dem Autor einstellt, geht direkt auf die Übersetzung zurück. 

Für mich ist ein Übersetzer kein dienstbares Geist, das ein unverständliches (unbekanntes) Wort durch ein vertrautes ersetzen sollte, sondern eher ein Leiter. Davon, wie sensibel und erfüllt die Persönlichkeit einer Übersetzerin ist, hängt für mich ab, inwiefern ich ein Werk zu verstehen und zu lieben vermag. 

Es geht um eine magische, komplexe Tätigkeit der Weitergabe.

Durch 

den Wort- 

Sinn- 

Fluss

Durch sich selbst.

 

Meine Arbeit „es ist in uns“ (Freiheit in uns) ist eine Art Fortführung von „es ist zwischen uns“, der Büchner-Preis-Rede von Lukas Bärfuss.

Ich weiß noch, wie ich die Übersetzung von Iryna Herasimovich gelesen habe. Wie mutig und ehrlich ich diesen Text empfand und wie es mit meinen Werten und Lebensvorstellungen im Einklang stand.

Als wäre das von einem guten Freund geschrieben — so nah und wichtig erschien es mir. 

 

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Antonina Slobodchikova: 'es ist in uns'

 

Ich erkläre: Es ist in uns.

Die ganze Zeit denke ich an Kinder. Vielleicht weil ich eine Mutter bin.

Vielleicht weil Kinder es sind, die länger als ich leben, mich überleben werden.

Vielleicht weil Kinder die Hoffnung sind.

Ich habe die ganze Zeit gedacht: Wenn ich meiner Tochter das Verständnis vermittle, dass sie frei ist, frei zu denken und tun, was sie für nötig hält, so habe ich als Mutter das Wichtigste getan. 

Aber je länger ich lebe, desto mehr sehe ich ein, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, dass sie  zu meinem  Bedauern und zu meiner Enttäuschung erkämpft werden muss. 

Man muss für Freiheit einstehen. Die Welt verlangt Opfer dafür. 

Blut aus unseren Adern „muss“ immer wieder fließen und Tränen unbedingt unsere Wunden spülen.

 

 

 

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Antonina Slobodchikova (privat)

Antonina Slobodchikova, geboren am 7. April 1979 in Minsk (Belarus), lebt und arbeitet dort bis heute als bildende Künstlerin. Sie absolvierte 1998 die Glebow-Kunstschule in Minsk (Abteilung für Malerei) und 2004 die Belarusische staatliche Kunstakademie (Abteilung für Architekturmalerei). Sie bearbeitet mit verschiedenen Medien (Malerei, Grafik, Installation, Video) Themen wie Mutterschaft, Identität und Gender im Kontext feministischer Praktiken sowie Tod, Erinnerung, Zeitarchivierung, Unterordnung und Macht in unterschiedlichen Aspekten: als persönliche Erfahrung, soziale Stereotypen, Gesellschaftsgeschichte etc.

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