Journale Lyrik Ein Übersetzungsdialog: Im Gespräch mit Annette von Droste-Hülshoff

Ein Übersetzungsdialog: Im Gespräch mit Annette von Droste-Hülshoff

Das Trans|Droste-Projekt bringt Übersetzer·innen zusammen, um die Werke der deutschen Lyrikerin Annette von Droste-Hülshoff (oder, um sie förmlich zu nennen, Anna Elisabeth Franziska Adolphine Wilhelmine Louise Maria von Droste zu Hülshoff) in andere Sprachen zu übertragen. Droste, die von 1797 bis 1848 gelebt hat, ist eine der einzigen deutschen Lyrikerinnen aus dem 19. Jahrhundert, die in Deutschland noch viel gelesen wird – aber im Ausland sind ihre Werke nicht bekannt und wurden kaum übersetzt. Trans|Droste soll das verändern. Wir – Kaouther, Barbara und Annie – arbeiten als Teil des „dritten Labors“ von Trans|Droste, um eine Auswahl von ihren Gedichten zum Thema „Schreiben als Frau“ ins Arabische, Französische und Englische zu übersetzen.

‚Mein Beruf‘

Ein besonders schöner Aspekt des Projekts ist unser Austausch zu den Gedichten, v.a. wenn es um Texte geht, die besonders komplex sind – manchmal hilft es einfach zu wissen, dass die anderen auch verwirrt sind! Unsere Herangehensweisen sind hier unterschiedlich. Kaouther fängt erst mit dem Übersetzen an, wenn sie sich sicher ist, dass sie das Gedicht versteht: Sie muss vor dem Übersetzen das Gedicht als Einheit begreifen, um den Tonus und die Musik des Gedichtes zu erkennen und zu übertragen. Barbara und Annie haben dagegen eher das Gefühl, dass sie die Gedichte meistens erst verstehen, nachdem sie diese übersetzt haben. So oder so war das Gedicht ‚Mein Beruf‘ eine besondere Herausforderung für uns alle – unter anderem, weil Droste absichtlich ihre eigene Botschaft verschleiert hat: Die Botschaft, dass sie auch als Frau eine Dichterin sein konnte, die ihre Zeit brauchte, wäre vielleicht ansonsten zu radikal gewesen. Großen Dank geht an Angela Steidele, die ihre Einsichten zum Gedicht mit uns geteilt hat!

Was folgt, ist eine visuelle Darstellung unserer Gedanken und Gespräche zum Gedicht!

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TOLEDO-Journal als PDF

 

Die Verfasserinnen

Annie Rutherford, geboren 1989 in Edinburgh, Schottland, ist Übersetzerin und Schriftstellerin. Sie bewegt sich an der Schnittstelle zwischen der deutschen und der britischen Literaturszene. Annie moderiert Free Verse(e), einen gelegentlichen Podcast über queere Poesie, und war bis 2022 Redakteurin für Belletristik bei der Literaturzeitschrift The Interpreter's House. In ihren eigenen Übersetzungen widmet sie sich vor allem der Lyrik aus dem Deutschen und hat unter anderem Nora Gomringer, Kinga Toth, Maren Kames und Levin Westermann übersetzt. Zu ihren übersetzten Büchern gehören Nora Gomringers Monster, Morbus, Moden, Isabel Bogdans Roman Der Pfau und Volha Hapejevas Mutantengarten (aus dem Belarussichen).

©Lou McCurdy

©privat

 

Kaouther Tabai ist Autorin, Übersetzerin und Informatikerin. Sie veröffentlichte mehrere Kurzgeschichtenbände beim Frankfurter Glaré Verlag, so auch ihr Erstlingswerk Das kleine Dienstmädchen. Mit einer besondere Affinität zum Übersetzen von Lyrik übertrug sie beispielsweise Nelken in der Nacht ihrer Haare, einen Gedichtband des syrischen Dichters Fwaz Qadri, aus dem Arabischen ins Deutsche. Zuletzt erschien 2021 der Gedichtband Al Oghniet la thanba laha - Die Lieder können nichts dafür.

 

Barbara Fontaine ist hauptberufliche Übersetzerin aus dem Deutschen ins Französische. Ihr Schwerpunkt ist die Belletristik, daneben übersetzt sie auch geisteswissenschaftliche Texte. 2008 wurde sie für ihre Übersetzung von Stefan Wackwitz’ Ein unsichtbares Land mit dem André-Gide-Preis und 2022 für ihr übersetzerisches Gesamtwerk mit dem Eugen-Helmlé-Preis ausgezeichnet. Sie leitet Übersetzungswerkstätten im Rahmen des Goldschmidt-Programms und von ViceVersa (TOLEDO) und ist Jurorin für den Grand prix de la traduction der Société des gens de lettres (SGDL). 2022-2023 war sie Stipendiatin der Villa Concordia in Bamberg.

©privat

Zum Projekt: Ein digitales Übersetzungslabor zu Annette von Droste-Hülshoff

Im Projekt Trans|Droste werden Texte von Annette von Droste-Hülshoff in andere Sprachen übersetzt. Dafür kommen Übersetzer·innen in verschiedene Sprachen digital zusammen, um über ihre Arbeit an den Texten zu sprechen. In mehreren Teil-Laboren tauschen sie sich über sprachliche Besonderheiten aus und behandeln Probleme, die sich beim Übersetzen ergeben. Damit ist Trans|Droste Werkstatt, Sprachbegegnungsstätte und Zeitmaschine in einem. In der digitalen Burg sind Interessierte eingeladen, den Übersetzer·innen über die Schulter zu schauen. In ausgewählten Übersetzungen können frühere Fassungen von einzelnen Wörtern und Wendungen mit der Endfassung verglichen und der Weg zur fertigen Übersetzung verfolgt werden.

Trans|Droste ist ein Projekt von Burg Hülshoff – Center for Literature (CfL) und entstand in Kooperation mit der Droste-Forschungsstelle bei der LWL-Literaturkommission für Westfalen. Trans|Droste wurde gefördert durch den Projektfonds des Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen des Programms »NEUSTART KULTUR« der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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